Kursangebote
Sonderangebote

Tipps & News  

Text und Bilder: Dieter Florian

 

Der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus), Fisch des Jahres 2018

 

Seit langem werden von den unterschiedlichsten Organisationen und Verbänden Lebewesen des Jahres gewählt, um auf deren Schutzwürdigkeit, Seltenheit, besondere ökologische Bedeutung oder interessante Lebensweise hinzuweisen.

Vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) wurde in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) der Dreistachlige Stichling zum Fisch des Jahres 2018 gekürt. Für die Zustimmung der Sporttaucher zu dieser Wahl, hat sicherlich die außergewöhnliche Fortpflanzungsbiologie dieser Art beigetragen,  die sie zum interessanten Objekt für die Unterwasserbeobachtung macht.

Der Dreistachlige Stichling gilt in unseren Gewässern als nicht gefährdet. Er kommt sowohl in unterschiedlichsten Binnengewässern als auch im Meer, vor allem in Küstennähe, vor. Hier lebt er in Schwärmen als sogenannte marine Wanderform, die zum Laichen in Fließgewässer zieht. In der salzärmeren Ostsee und in den Boddengewässern verzichten die Stichlinge oft auf die Wanderung und pflanzen sich auch im Seewasser fort. Die stationäre Süßwasserform besiedelt Binnengewässer aller Art von Fließgewässern über große Seen bis zu kleinen, oft stark verkrauteten Tümpeln.

Stichlinge werden selten größer als 10 Zentimeter. Außerhalb der Paarungszeit zeigen beide Geschlechter eine unspektakuläre graubraune bis silbergraue Färbung. Auffällig sind die bei einzelnen Populationen unterschiedliche Ausstattung der Seiten und des Rückens mit   Knochenplatten. Drei aufrichtbaren Rückenstacheln verdankt der Fisch seinen Namen. 

Zu Beginn der Laichzeit im Frühjahr vollzieht sich bei den Männchen eine bemerkenswerte Verwandlung. Sie legen sich ein eindrucksvolles Paarungsgewand zu, das sie an Farbigkeit mit tropischen Zierfischen durchaus konkurrieren lässt. Die Brustpartie färbt sich intensiv rot, der Rücken blaugrau und die Iris der Augen schimmert türkisfarben.

Jetzt beginnt für die Männchen eine arbeitsreiche Zeit.

In einer Bodenmulde wird loses Pflanzenmaterial zusammengetragen und mit Nierensekret, das sie über das Nest gleitend  absondern ,stabilisiert  Auf diese Weise formen sie ein Nest mit Ein- und Ausschlupföffnung, in das sie ein oder mehrere Weibchen im Verlauf eines „Hochzeitstanzes“ zur Eiablage führen. Anschließend besamen sie die Eier. Während der 8 bis 10-tägigen Eientwicklung sorgt das Männchen durch Umschichten des Laichs, dem Anlegen von Ventilationsöffnungen im Nest und mit wedelnden Flossenbewegungen dafür, dass die Eier ausreichend mir Sauerstoff versorgt werden.

Nach dem Schlupf der Jungen betreut das Männchen noch ein paar Tage den Jungfischschwarm und  sorgt mit drohend aufgerichteten Rückenstacheln dafür, dass sich Fressfeinde vom  Stichlingsnachwuchs fernhalten. Nestbau und Brutpflege spielen sich in der Regel in den warmen Oberfächenwasserschichten in Ufernähe ab . Sie sind ein schönes Beispiel dafür, wie zweckmäßig es ist, am Ende des Tauchgangs im Flachwasser die Tauchmaske nicht zu früh abzusetzen.

Mitunter laufen die Laichaktionen mehrmals nacheinander während eines Frühjahrs ab.

Nach der Paarungszeit verblasst die Prachtfärbung der Männchen schnell. In ihrem Schlichtkleid sind sie vor Fressfeinden besser geschützt.

Die drohend aufgerichteten Rückenstacheln mögen zwar manchen Räuber davon abhalten, sich einen Stichling einzuverleiben, ein Allheilmittel sind sie allerdings nicht. Mitunter kommt bei den Räubern die Reue auch zu spät. Man hat beobachtet, wie ein bereits von einem Raubfisch erfasster Stichling im Maul des Räubers seine Stacheln abspreitzt,, sodass es kein Vor und Zurück mehr gab und nach einer qualvollen Zeit Räuber und Beute verendeten.

Neben dem Dreistachligen Stichling leben in unseren Gewässern noch zwei weitere Stichlingsarten. Der Neunstachlige Stichling in Binnengewässern und der Seestichling im Meer. Auch diese beiden Arten treiben Brutpflege und bauen Nester. An Farbenpracht des Hochzeitskleides stehen sie allerdings ihrem dreistachligen Verwandten deutlich nach.

 


 

 

 

...........................................................................................